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Eider Stellaire

1

(Archiv-Tipp 1/2012)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1981 (CD-Reissue 2011, Soleil Zeuhl)
Besonderheiten/Stil: instrumental; Jazzrock / Fusion; Zeuhl
Label: Eigenverlag
Durchschnittswertung: 12/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Patrick Singery Bass
Jean-Claude Delachat Guitar
Pierre Gérard-Hirne Piano, Organ
Michel Le Bars Drums
Véronique Perrault Vocals
Marie-Anne Boda Flute, Vocals

Gastmusiker

Michel Moindre Sax

Tracklist

Disc 1
1. Onde 8:35
2. Arctis 6e éphéméride 7:04
3. Légende 5:37
4. Tétra 6:32
5. Nihil 7:26
6. Nihil (version alternative)   (Bonustrack CD-Reissue) 10:54
Gesamtlaufzeit46:08


Rezensionen


Von: Udo Gerhards (Rezension 1 von 3)


Die französische Band Eider Stellaire wurde 1980 vom Schlagzeuger Michel Le Bars gegründet und veröffentlichte bis 1987 drei (einfach durchnummerierte) Alben. Diese gehören zu den gesuchtesten LPs unter Zeuhl-Freunden, denn Schlagzeuger und Kopf Le Bars hat sich inzwischen von seiner musikalischen Vergangenheit so distanziert, dass er Wiederveröffentlichungen auf CD strikt ablehnt, gerüchtehalber sogar die Masterbänder verbrannt hat, um eine Neuauflage sicher und auf alle Zeit auszuschliessen.

Das ist wirklich schade, denn musikalisch gehört vor allem das erste, hier besprochene Eider Stellaire Album zum Besten, was die Zeuhl-Schiene zu bieten hat. Alle typischen Zutaten sind vorhanden: virtuos peitschende Schlagzeug-Arbeit, oft in ekstatisch marschartig stampfenden Rhythmen, grollend-pulsierender, dominanter Bass, vom E-Piano getragene repetitive Strukturen und Riffs, teils düstere Grundstimmung und wortlos-ätherischer weiblicher Gesang.

Allerdings wird diese Zeuhl-Packung aufgelockert durch ein etwas jazz-rockigeres Feeling, mit immer wieder eingestreuten Improvisationen, einer prominenteren Rolle der spinnerigen, elektrischen Gitarre als bei den Urvätern Magma, gelegentlichen Farbtupfern durch Saxophon und Flöte und insgesamt einem helleren, luftigerem, weniger monolithischen Grundsound.

Tja. Schade, dass dieses Zeuhl-Juwel Sammlern vorbehalten bleibt, die mit Glück und ca. 250$ ein Exemplar der LP auftreiben. Verdient hätte die Musik jedenfalls ein grösseres Publikum.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: Teils Magma
Veröffentlicht am: 3.11.2003
Letzte Änderung: 3.11.2003
Wertung: 12/15

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 3)


Manchmal geschehen auch in der Progwelt kleine Wunder. Die CD-Neuauflage des Erstlings von Eider Stellaire ist ein solches. Die Band um den Schlagzeuger Michel Le Bars entstand im Herbst des Jahres 1980 aus den Trümmern einer Vorgängerformation namens Astarte. Die Band veröffentlichte in den 80ern drei heutzutage so gut wie unauffindbare LPs und verschwand danach wieder von der Bildfläche. Le Bars, der ab und zu auch für Christian Vanders Offering tätig war, wand sich dann offenbar anderen Dingen zu (vermutlich um Geld zu verdienen) und schloss mit seiner musikalischen Vergangenheit ab.

Unter Zeuhl-Adepten hielt sich allerdings das Gerücht, dass zumindest der Erstling von Eider Stellaire - schlicht "1" genannt - ein veritabler Zeuhl-Klassiker ist. Die wenigen Besitzer der LP haben das natürlich bestätigt. Ich erinnere mich noch daran, dass ich Ende der 90er Jahre die Scheibe auf einer LP-Börse in Mailand gesehen habe. Die 150000 Lire die der freundliche Händler dafür wollte, erschienen mir aber als extrem überzogen. Einige Jahre später habe ich mich immer mal wieder geärgert, dass ich nicht doch zugeschlagen habe. Das Teil war nämlich nirgends zu finden und ein CD-Reissue würde es wohl nie geben.

Ungefähr zur selben Zeit als ich in Mailand über LP-Preise den Kopf schüttelte startete Alain Lebon in Frankreich sein Soleil-Zeuhl-Label, mit dem er in erster Linie französische Zeuhl-Klassiker ins digitale Zeitalter herüberretten wollte. Wie ich erst später erfuhr war eine der ersten Personen die Lebon wegen eines CD-Reissues ansprach Michel Le Bars. Erstaunlicherweise lehnte dieser die Idee vehement ab. Die Musik von Eider Stellaire war Vergangenheit und nichts davon sollte jemals wieder auf Tonträger erscheinen. Es hielt sich sogar das Gerücht, Le Bars hätte die Masterbänder der Eider-Stellaire-Alben vernichtet. Es bestand somit keinerlei Hoffnung, dass "1" jemals auf Silberling erscheinen würde. So der Stand der Dinge bis zum Frühsommer 2011.

Da vermeldete Lebon plötzlich, dass Ende September 2011 das Debütalbum von Eider Stellaire als 30stes Album von Soleil Zeuhl veröffentlicht werden wird. Was den nicht mehr zu erwartenden Sinneswandel bei Le Bars ausgelöst hat ist mir nicht bekannt. Fakt ist, dass ich nun "1" in Händen halte, verpackt als hübsches Digipack und versehen mit exzellentem, remasterten Klang (die Masterbänder waren wohl doch noch vorhanden). Als Bonus wurde sogar eine über 10-minütige Alternativversion von "Nihil" angehängt.

Einen klassischen, sehr druckvollen Zeuhljazzrock gibt es auf "1" zu hören, zu dem Udo weiter oben ja schon einiges geschrieben hat. Ein herrlich knurrender Bass, ein jazziges E-Piano, eine ausufernd solierende E-Gitarre, ein verspieltes Schlagzeug und zwei Sängerrinnen (von denen eine ab und zu auch eine Flöte bebläst - viel ist davon allerdings nicht zu hören) ergehen sich hier in typischen Zeuhlmustern, vielseitig, virtuos und mit viel Schmackes und immer angereichert mit jazzig-rockigen Ausflügen. Gelegentlich - eher selten - ist zudem Gastsaxophonist Michel Moindron mit heftigem Getröte zu hören. Magma und Eskaton treffen auf Weidorje, Abus Dangereux und Transit Express. Das Bonusstück biete ähnlich hochwertige Kost, klingt ein klein wenig schlechter (es rauscht etwas), was dem Ganzen aber einen gewissen rohen Charme verleiht.

Das Debüt von Eider Stellaire ist in der Tat ein Zeuhl-Klassiker, den Fans des Genres auf jeden Fall hören sollten! Mit dem wunderschönen CD-Reissue von Soleil Zeuhl haben diese nun eine exzellente Möglichkeit dies zu tun. Es bleibt noch zu hoffen, dass auch die beiden weiteren Alben von Eider Stellaire von Soleil Zeuhl wieder veröffentlicht werden (diese würden beide prima zusammen auf eine CD passen)!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 6.10.2011
Letzte Änderung: 18.12.2011
Wertung: 12/15

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 3 von 3)


Ebenso wie für meinen Vorredner war dieses Album lange Zeit für mich so etwas wie ein unerfüllbarer Traum. Genau genommen war es dies, seitdem vor nunmehr 8 Jahren auf diesen Seiten die erste Rezension dazu erschien, vorher hatte ich von dieser Band nämlich noch nie gehört. Ich weiß noch, wie irgendwann im Frühjahr 2011 mir erstmals das Gerücht über eine CD-Veröffentlichung zu Ohren kam, was ich mit Vorsicht zu genießen beschloss; gleiches hört man ja alle paar Jahre auch über die ersten drei Kraftwerk-Alben. Aber siehe da, im Gegensatz zu diesen kam der Erstling von Eider Stellaire tatsächlich, pünktlich zum 30-jährigen Jubiläum der LP-Ausgabe.

1981 erschien dieses Album also, zu einer Zeit, als die Genre-Urväter Magma schon ziemlich zu schwächeln begannen (siehe Retrospektïw 3). Eider Stellaire dagegen zeigen sich immun gegen kommerzielle Verwässerungen und präsentieren eine stark jazz-orientierte Version des Zeuhl. Wie beim großen Vorbild sitzt auch hier der Kopf der Band hinter dem Schlagzeug. Von Michel Le Bars stammen mit zwei Ausnahmen sämtliche Stücke; lediglich Onde und Tétra stammen von Pierre Gérard-Hirne. Das peitschende, treibende Schlagzeug von Le Bars steht auch im Mittelpunkt der Musik, dazu rollt und grollt der Bass, die Gitarre sägt, das E-Piano perlt. Ein paar Einsätze an Flöte und Saxofon runden das Ganze ab, wobei gerade letzteres noch einmal den jazzigen Charakter der Musik betont. Gelegentlich gibt es ätherischen, textlosen Gesang, aber letzten Endes kann man hier von einem Instrumentalalbum sprechen.

Durch den höheren Jazz-Anteil wirkt die Musik weniger hymnisch und erhaben als bei Magma. Insbesondere die zeitweise recht rockig gespielte Gitarre sorgt dazu für mehr Schmackes, da röhrt's schon mal ganz ordentlich über der genretypisch repetitiv stampfenden rhythmischen Grundierung. Und wie bei den Zeuhl-Urvätern kann sich auch bei Eider Stellaire die Musik bis zur Ekstase steigern (Nihil bspw.), wobei auch hier die rockige Gitarre die monolithische Struktur des Stücks aufbricht.

Kurzum, der Erstling von Eider Stellaire ist für mich die wichtigste Wiederveröffentlichung des Jahres 2011 und jedem Zeuhl-Adepten nachdrücklichst zu empfehlen. Ein großartiges Teil! Das Coverbild der Neuausgabe hat übrigens, anders als das oben abgebildete, einen schwarzen Hintergrund bei ansonsten gleichem Motiv.

Anspieltipp(s): alles!
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 18.12.2011
Letzte Änderung: 18.12.2011
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Eider Stellaire

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1986 2 10.00 1

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